Seele
(erstellt am: 18.09.2008 - letzte Änderung:18.09.2008 - aufgerufen: 627 Mal)
Was ist Seele?
Der Ausdruck Seele hat vielfältige Bedeutungen, je nach den unterschiedlichen mythischen, religiösen, philosophischen oder psychologischen Traditionen und Lehren, in denen er vorkommt. Im heutigen Sprachgebrauch ist oft die Gesamtheit aller Gefühlsregungen und geistigen Vorgänge beim Menschen gemeint. In diesem Sinne ist „Seele“ weitgehend mit dem Begriff Psyche gleichbedeutend. „Seele“ kann aber auch ein Prinzip meinen, von dem angenommen wird, dass es diesen Vorgängen zugrunde liegt, sie ordnet und sich auch auf körperliche Vorgänge auswirkt oder diese herbeiführt bzw. lenkt.
Darüber hinaus gibt es religiöse und philosophische Auffassungen, in denen sich „Seele“ auf ein immaterielles Prinzip bezieht, welches das Leben eines Individuums und seine durch die Zeit hindurch beständige Identität bewirkt. Damit kann die Annahme verbunden sein, die Seele sei hinsichtlich ihrer Existenz vom Körper und damit auch dem physischen Tod unabhängig und mithin unsterblich. Manche Traditionen gehen davon aus, dass die Seele bereits vor der Zeugung existiert. In einem Teil dieser Lehren macht die Seele allein die Person aus: der Körper wird weitgehend als unwesentlich oder aber abwertend betrachtet.

Seelenwanderung...
In manchen Kreisen (Orphiker, Pythagoreer, Empedokles) wurde die Unsterblichkeitslehre mit der Vorstellung der Seelenwanderung verbunden und damit die Annahme einer festen Bindung der Seele an einem bestimmten Körper aufgelöst. Die Seele existierte demzufolge schon vor der Entstehung des Körpers. Ihr wurde mit diesem eigenständigen Dasein eine zuvor unbekannte Autonomie zugesprochen. Die früheste namentlich bekannte Persönlichkeit, die sich zur Seelenwanderung bekannte, war der um 583 geborene Pherekydes von Syros, dessen Schrift über die Götter allerdings nicht erhalten ist. Sein etwas jüngerer Zeitgenosse und angeblicher Schüler Pythagoras - der eine große Wirkung ausübte, über den aber nur wenige eindeutige Quellen vorliegen - verbreitete diese Lehre im griechisch besiedelten Unteritalien. Nach Auffassung der frühen Pythagoreer, die noch im 3. Jahrhundert n. Chr. von dem einflussreichen Neuplatoniker Plotin geteilt wurde, gehen die Seelen der Menschen auch in Tierleiber ein. Zwischen menschlichen und tierischen Seelen besteht somit kein Wesensunterschied. Die spätantiken Neupythagoreer lehnten diese Anschauung allerdings ab.

Pythagoras...
Pythagoras von Samos (griechisch Πυθαγόρας) (* um 570 v. Chr.; † nach 510 v. Chr. in Metapont in der Basilicata) war ein antiker griechischer Philosoph (Vorsokratiker) und Gründer einer einflussreichen religiös-philosophischen Bewegung. Als Vierzigjähriger verließ er seine griechische Heimat und wanderte nach Unteritalien aus. Dort gründete er eine Schule und betätigte sich auch politisch. Trotz intensiver Bemühungen der Forschung gehört er noch heute zu den rätselhaftesten Persönlichkeiten der Antike. Manche Historiker zählen ihn zu den Pionieren der beginnenden griechischen Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaft, andere meinen, er sei vorwiegend oder ausschließlich ein Verkünder religiöser Lehren gewesen. Möglicherweise konnte er diese Bereiche verbinden. Die nach ihm benannten Pythagoreer blieben auch nach seinem Tod kulturgeschichtlich bedeutsam.

Sokrates...
Bei Sokrates (469-399) tritt der Gedanke in den Vordergrund, dass die Sorge um die Seele (epiméleia tēs psychēs) eine vorrangige Aufgabe sei. Das Wohlergehen der Seele erscheint mit der Einsichtsfähigkeit des Menschen und seinem Zugang zur Wahrheit verknüpft:
„Bester Mann, schämst du dich nicht, für Geld zwar zu sorgen, wie du dessen aufs meiste erlangst, und für Ruhm und Ehre, für Einsicht aber und Wahrheit und für deine Seele, daß sie sich aufs beste befinde, sorgst du nicht und hieran willst du nicht denken?“

Platon...
Für Platon (427-347) ist die Seele immateriell und unsterblich, sie existiert unabhängig vom Körper, also schon vor dessen Entstehung. Daraus ergibt sich ein konsequenter Dualismus: Seele und Körper sind nach ihrer Beschaffenheit und nach ihrem Schicksal völlig verschieden. Ihr vorübergehendes Zusammentreten und Zusammenwirken ist somit nur zeitweilig bedeutsam, ihre Trennung erstrebenswert; der Körper ist „Grab der Seele“. Wie für Sokrates ist auch für Platon die Seele sowohl ethisch als auch kognitiv gleichbedeutend mit der Person. Da sie allein eine Zukunft über den Tod hinaus hat, kommt es nur auf ihre Förderung und ihr Wohlergehen an. Wegen ihrer Gottähnlichkeit als unsterbliches Wesen steht es ihr zu, über den vergänglichen Körper zu herrschen. In mehreren Mythen beschreibt Platon das Leben der Seele im Jenseits, das Seelengericht und die Seelenwanderung. Dabei verknüpft er das Schicksal der Seele mit ihren ethischen Entscheidungen.

Aristoteles...
Die Seelenlehre des Aristoteles (384-322) ist in seinem Werk „Über die Seele“ (Peri psychēs, lateinisch De anima) dargelegt, das zugleich eine Hauptquelle für die vorsokratischen Seelenauffassungen darstellt; ferner äußert er sich darüber in seinen kleinen naturphilosophischen Schriften („Parva naturalia“). Ein aus seiner Jugendzeit stammender Dialog Eudemos über die Seele ist bis auf Fragmente verloren.

Aristoteles erörtert und kritisiert die Auffassungen der früheren Philosophen, insbesondere diejenige Platons, und präsentiert dann seine eigene. Er definiert die Seele als „die erste Entelechie“ (Aktualität, Verwirklichung, Vollendung) „eines natürlichen Körpers, der potentiell Leben hat“, und fügt hinzu, dass es sich um einen „organischen“ Körper handle. Die Feststellung, dass der Körper potentiell Leben hat, besagt, dass er von sich aus nur zum Belebtsein geeignet ist; dass die Belebung tatsächlich verwirklicht wird, ergibt sich durch die Seele. Die Seele ist nicht eine eigenständige Entität, die unabhängig vom Körper existiert, sondern sie ist seine Form und daher von ihm nicht trennbar. Mit der ersten Wirklichkeit der Seele spricht Aristoteles ihre Grundtätigkeit an, die auch im Schlaf nicht aussetzt. Die Grundtätigkeit hält den Organismus zusammen und bewirkt, dass er nicht zerfällt. Sie unterscheidet sich von den Tätigkeiten einzelner seelischer Aspekte, die den verschiedenen Seelenvermögen entsprechen, nach deren Vorkommen Aristoteles das Leben klassifiziert.

Hirnforschung...
In der heutigen Hirnforschung ist die Frage nach dem Sitz der Seele tabu. Doch im Alltag scheinen wir unseren seelischen Zustand ständig zu fühlen. Ist die Naturwissenschaft mit ihren strengen Regeln und Kategorien noch in der Lage, dem Menschen gerecht zu werden? Kann die Wissenschaft die Seele überhaupt ergründen?



Schwedenkräuter  Schwedenkräuter  Seelenbild